Mittwoch, 23. September 2009

"Ich lieb' die Herbstzeit...

..stürmt's auf dem Himbeerfeld,
Hände die jäten

unter dem Himmelszelt,

warme Sonne
strahlet
hier auf uns herab!


didumdida didumdida didumdida didumdida"

Gerne würde ich ein paar Bilder von der prächtig leuchtenden Herbstlandschaft präsentieren, aber meine Kamera ist jetzt in der Obhut ihrres Herstellers, der sie davon überzeugen soll, ihr Objektiv wieder ein- und auszufahren.

Sonntag,20.September: Loppemarket in Ilseng!
Zu Fuß machen wir uns auf zur Ilsenger Turnhalle, in der der Gesangsverein Ilseng dieses Wochenende einen Flohmarkt veranstaltet. Einen Tag zu früh ist plötzlich der Herbst da - es regnet und die Bäume um uns herum schwanken laut rauschend im Wind. Ich genieße die neue Geräuschkulisse und die Tropfen auf meiner Haut. Nach gut drei Kilometern erreichen wir die Verkaufsstätte. Außen stehen allerlei Möbel. besonders drei rosaweiße Stühle und eine Kommode, farblich passend, gewinnen sofort unsere Aufmerksamkeit. Aber da wir ein begrenztes Budejet und kein Auto dabeihaben, kommen wir vorerst nicht in die Versuchung, die Möbel zu erwerben. Also gehen wir nach Innen und dort spielt es sich folgendermaßen ab:

Im Eingangsbereich kannst du wählen zwischen einer kleinen oder einer großen Plastiktüte. Und dann gehst du mit deiner Tüte in der Hand durch die aufgestellten Tischreihen. Diese sind beladen mit allerlei Geschirr, Taschen , Kleidung und und und. Etwas chaotisch. Du packst alles ein, was dir gefällt, bis die Tüte voll ist. Stolz über die Errungenschaften und erschöpft von dem Gewühle im Gedränge machst du dich dann auf zum Ausgang, wo du bezahlst. Die kleine Tüte kostet gefüllt 25 Kronen (ungefähr drei Euro), die große 50 Kronen.

Es ist der blanke Wahnsinn, was ich für so wenig Geld alles erstanden habe: 3 kleinen Umhängetaschen, einen vermutlich 30 Jahre alten Lederrucksack "Made in Norway" (sogar mit herausnehmebaren Rückengestell), massenweise dünne Rollkragenpullis zum unterziehen bei der winterlichen Außenarbeit, eine warme Wolljacke "Made in Danmark", ein Halstuch, eine kleine Norwegenfahne, zwei Bilderrahmen, eine Blumenvase...

Als wir die Halle verlassen, werden draußen die von den Verkaufstagen übriggebliebenen Möbel verschrotten. Was für ein trauriger Anblick! Aber unsere Lieblingsstücke leben noch, wir müssen sie retten!! Also sprechen wir den nächstbesten Verantwortlichen und er bietet uns an, sie kostenfrei mitzunehmen. Über Handy holen wir uns von Christiane die Erlaubnis ein, die Möbel in unsere Wohnung zu stellen. Und dann bitten wir Anja, uns mit dem Bulli abzuholen. Wenn wir die Sitzbänke umklappen, müssste alles hineinpassen.

So ist mein Raum um einen Stuhl reicher. Und hier sitze ich nun.

Montag und Dienstag: Bringebaer
Draußen windet es unglaublich. Wir kriechen im Sonnenschein zwischen den Himbeersträuchern herum, schneiden diese aus - und jäten mal wieder Unkraut!

Dienstag, 22. September: Plumer
Wisst ihr, was ich hier richtig vermisse? Unsere Apfel- und Pflaumenbäume sowohl im Bührener als auch im Oldenburger Garten!! Aber zumindest reichbestückte Pflaumenbäume gibt es hier reichlich und ich habe die freudige Aufgabe, sie zu ernten! Natürlich fühle ich mich dabei dazu verpflichtet, regelmäßige Kostproben durchzuführen, bevor ich die guten Früchte in den Gefrierraum bringe...

Am 23. hat Sandy Geburtstag, deshalb startet am Abend der Endspurt für die Vorbereitung des morgigen Tages. Blumen werden draußen gepflückt, die von uns gemalte Bilderreihe wird eingepackt(Weihnachtspapier-pinker-Wollfaden-Kombi, sorry, wir hatten nichts anderes), eine Girlande mit norwegischem Geburtstagsgruß sowie einen goldenen Krone gebastelt, ein Teelichtherz kreiert und zwei später reichverzierte Kuchen gebacken. Hinzu auf den Geburtstagstisch kommen die Briefe an Sandy, die wir in den letzten Tagen heimlich aus dem Briefkasten gefischt haben.

Mittwoch, 23. September: Sandys Geburtstag
Die heiße Schokolade ist gekocht, die Kerzen sind angezündet, jetzt muss nur noch Sandy geweckt und mit verdeckten Augen durch den Flur in die Küche geführt werden, wo wir sie mit geburtstagssingsang begrüßen.

Nachmittags gibt's Kaffee und Kuchen (Jörgen ist sogar so gütig, mir einen halbe Stunde dafür frei zu geben...).

Trotz Geburtstages und obwohl wir alle zusammen eine wirklich gelungenen Überraschung auf die Beinen stellen konnten:
Diesen Abend habe ich wirklich keinen Lust, mich in die Gemeinschaftsküche zu gesellen.
Gerade hat mir eine der dort Anwesenden ernsthaft vermitteln wollen, dass es das Wichtigste sei, auf das eigene Leben zu achten und nicht über alles nachzudenken, was man tut, da es schließlich doch schön sei, es sich so einfach wie möglich zu machen.
Ich weiß nicht, wie das gehen soll, dass Menschen mit so unterschiedlichen Lebenseinstellungen eine so lange Zeit auf einem so engen Raum zusammenzuleben und letztendlich für ein und das selbe Projekt einzustehen!

Kann mir jemand einen Portion Toleranz borgen??

Am liebsten würde ich eine Runde draußen rennen, aber es ist leider schon Stockfinster und -ja- Anne hat Angst alleine im dunklen, fremden Land! Vielleicht hilft es, ein bisschen zu malen und dabei den guten alten Deutschlandfunk zu hören(,damit sich mein Norwegisch endlich verbessert...).

Kommentare:

  1. Ach liebe Anne,
    das klingt so schön, deine vielen neuen Erfahrungen und viele nette Menschen, mach's dir nicht so schwer! Solang es so zwischen euch knistert geh ihr so gut es geht aus dem Weg, ich schicke dir soviel Toleranz wie möglich... ;-) Aber du machst das schon, du bist so ein toller Mensch, lass dich doch von der nicht so kleinkriegen! Mach dein Ding und hilf in dem Projekt so wie du es machst, sei du selbst und lass sie reden... Wenn sie es sich nur so einfach wie möglich machen will, wird sie wohl irgendwann merken, dass das in einem solchen Projekt vielleicht etwas fehl am Platz ist ?!? Du lernst jedenfalls fürs Leben mit deiner Toleranzübung... *g* Drück dich ganz fest und wünsche dir weiterhin alles Gute! Ich vermiss euch schon so...! Alles Liebe, deine Viola

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  2. Ach, Anne !

    Ganz bestimmt ist es wichtig , zu sagen: " liebe Deinen nächsten wie Dich selbst.."
    Dich selbst. Dich selbst. Nur dann geht es - sonst verschwindest Du..
    Das hat nix mit " Egoismus" zu tun. Ganz im Gegenteil- das haben Dir Deine Eltern nicht genug mitgeben können. Bitte krieg kein Helfersyndrom !
    BLEIB`BEI DIR !! mama

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